Ein Löwe zum Abschied – der 9. Jugendkirchentag ist offiziell beendet

(Text: Marlen Dannoritzer; Bilder: Peter Bongard)

Der 9. Jugendkirchentag verabschiedet sich aus Weilburg. Im Mittelpunkt der Abschlussveranstaltung stand nicht nur der Blick zurück auf das vergangene Wochenende, das nächste Großereignis wirft bereits seinen Schatten voraus.

Unter tosendem Applaus wurde am Sonntag der Jugendkirchentag offiziell beendet. Bei der Abschlussveranstaltung fand zugleich die Staffelübergabe an den künftigen Gastgeber statt. 2020 richtet Wiesbaden den 10. Jugendkirchentag aus. Zur Staffelübergabe war auch der Wiesbadener Oberbürgermeister Sven Gerich angereist. Nach dem Jugendkirchentag ist vor dem Jugendkirchentag und so machte Gerich bereits Lust auf die Jubiläumsveranstaltung in zwei Jahren.

Als Erinnerung an Weilburg und gleichzeitig als Einstimmung auf den Jugendkirchentag in Wiesbaden schenkten die scheidenden Gastgeber ihren Nachfolgern einen Löwen. Der ist nicht nur im Wappen von Weilburg vertreten, sondern auch in dem von Hessen und Wiesbaden ist schließlich die Landeshauptstadt.
In diesem Jahr hat der Jugendkirchentag gleich mehrere Rekorde gebrochen: Die Anzahl der Dauerteilnehmer war mit über 2000 so hoch wie noch nie. Insgesamt nahmen 4512 Teilnehmer sowie zahlreiche Tagestouristen und interessierte Weilburger an den rund 250 Attraktionen teil. Das Konzept war dabei bewusst offen gestaltet, um auch neue Leute für das Event und den Glauben zu begeistern.

Das Wetter hielt

Trotz teils schlechter Wettervorhersage und Unwetterwarnungen blieb es weitestgehend freundlich. Strahlender Sonnenschein und warme Temperaturen überwogen. Die kleinen Schauer konnten den Jugendlichen den Spaß an den Attraktionen nicht nehmen. Lisa war in diesem Jahr das erste Mal beim Jugendkirchentag und findet: „Die Stimmung war Bombe, das Wetter war mega und wir wollen auf jeden Fall wiederkommen!“

 

 

Bei 25 Grad stürzten sich die jungen Leute sogar freiwillig ins feuchte Nass: etwa im Tauchtruck, wo man in einem riesigen Becken mit professioneller Ausrüstung abtauchen konnte. Für Action sorgte auch der Zorbing Ball: Bei dieser Attraktion konnten Teilnehmer in einem riesigen Ball versuchen, übers Wasser zu laufen. Spaß hatten dabei nicht nur diejenigen im Ball, sondern auch die Zuschauer. Wer den Zorbing Ball schon einmal ausprobiert hat, weiß, das ist gar nicht so einfach!

Aber es ging auch darum, Ängste zu überwinden. Das konnten die Mädchen und Jungen zum Beispiel im beim Bungee Run, oder am Kletterturm. Ein Wir-Gefühl entwickelten sie bei Aktionen wie dem Menschenkicker oder auf dem Beachvolleyballfeld. Ein weiteres Erlebnis: Im Blindentruck durften Viele zum ersten Mal in ihrem Leben am eigenen Leib spüren, was es bedeutet nichts oder nur stark verschwommen zu sehen. Dafür erhielten die Interessierten einen Blindenstock und setzten eine undurchsichtige Brille auf. So aussgestattet ging es darum, einen Parcour zu bewältigen. Dabei standen Hindernisse wie eine Mülltonne oder ein Rollstuhl im Weg. Mit dieser Aktion will der Veranstalter, die Christoffel-Blindenmission, auf die Problematiken im Alltag von Blinden hinweisen und die Teilnehmer so sensibilisieren.

Rege Teilnahme an den Gottesdiensten

Besonders das große Interesse an den Gottesdiensten freute die Veranstalter. Reiner Lux vom CVJM (Christlicher Verein Junger Menschen) findet es „klasse, was die Jugendlichen für andere Jugendliche auf die Beine stellen.“ Denn an der Planung und Durchführung der Jugendkirchentage sind viele junge Leute beteiligt. So predigte die 19 Jährige Charlotta aus Zwingenberg vor hunderten Gottesdienstbesuchern und erhielt für ihre Worte tosenden Applaus. Als Jugendliche spricht sie ihrer Generation aus dem Herzen.
Eine mögliche Erklärung für den großen Andrang auf den Jugendkirchentag und die Gottesdienste hat Lux auch zur Hand: „Jugendliche suchen heute wieder nach Sinn und Orientierung. Sie fragen wieder nach Gott.“

 

 

Weil ich Mensch bin

Im Fokus der Jugendbegegnung stand das Motto „Weil ich Mensch bin“. Dabei wurden die Jugendlichen dazu animiert, sich nicht für andere zu verstellen, sondern zu sich selbst zu stehen. Das Motto kam gut an bei den Jugendlichen, die sich mit den Worten identifizieren konnten. Was die Worte für ihn bedeuten, fasste ein Teilnehmer so zusammen „Dass ich nicht alleine im Leben stehe, sondern auch Freunde habe, die mir helfen, wenn es mir nicht so gut geht.“ Es gehe auch darum, sich selbst zu lieben, finden andere.

Die Kirche setzt auf Digitalisierung

Modern sein und die Jugend dort erreichen, wo man sie findet – in sozialen Netzwerken wie Facebook, Snaphchat, Instagram und auf Twitter. Dort wurden regelmäßige Updates gepostet, so auch kurzfristige Veränderungen von Veranstaltungsorten. Konfirmandin Anna findet, „das hat gut geklappt.“ Besonders gefallen habe ihr, dass die Liedtexte der Gottesdienste teilweise in der App verfügbar gewesen seien. Die App wurde in diesem Jahr zum ersten Mal eingesetzt, auch um Papier zu sparen, denn so mussten weniger Programmhefte gedruckt werden. Besonders praktisch: In der App konnten Teilnehmer Favoriten markieren und sich so einen Zeitplan erstellen, um nichts zu verpassen. Ein Konzept, das sich in diesem Jahr bewährt hat und in Zukunft sicher beibehalten wird.

Gelungenes Fest

Neben den Gottesdienstens und Aktionen hatten die Jugendlichen die Wahl zwischen mehreren Partys und Konzerten. Besonders die You FM-Party lockte die jungen Leute dabei in die Stadthalle. Die Musiker Samuel Harfst und Jonny vom Dahl fesselten ihr Publikum bei ihren Konzerten und zeigten: Christliche Texte passen gut zu modernen Melodien und tanzbaren Beats. Auch die Gewinner des Bandcontests Beatween sowie die Sieger des Jugendkirchentags vor vier Jahren, Normal ist Anders, begeisterten gleich bei mehreren Konzerten.

 

 

Ein weiteres Highlight war die Show des Illusionskünstlers Mr. Joy am Samstagabend. Er zog mit Jonglage und Täuschungen das Publikum des vollbesetzten Festzelts in seinen Bann. Im Gesamten verlief der Jugendkirchentag traumhaft und macht Lust auf kommenden Ereignisse. Wer nicht bis 2020 zum nächsten Jugendkirchentag warten will, dem bieten sich auch ein weiteres Großereignisse an: der Evangelische Kirchentag findet im kommenden Jahr in Dortmund statt.