Mutmachgottesdienst lädt zur Selbstfindung ein

(Text/Fotos: Marlen Dannoritzer)

Weil ich Mensch bin. Das ist das Motto des 9. Jugendkirchentags in Weilburg. Bereits der Auftaktgottesdienst regte die Jugendlichen dazu an, zu sich selbst zu stehen. Rund 2000 Besucher, darunter Konfirmanden, Jugendliche und Ehrenamtliche kamen zusammen, um das Event in Weilburg gebührend einzuläuten.

Beatween rockten zum Auftakt
Den Start machte die Gewinnerband des Bandcontests „Beatween“. Die Jungs und Mädels aus Kassel hatten die Jury zuvor mit ihrem Song „Königskind“ überzeugt. Während die Besucher eintrudelten, spielten Becks (Vocals), Denis (Akustic & Vocals), Marcel (Gitarre), Hannah (Piano & Synthie) und Tobias (Drums) ihre ersten drei Songs und verkürzten damit die Wartezeit bis zum Gottesdienst.

Die Gewinnerband „Beatween”

Besonderen Applaus erntete schließlich der Gewinnersong, den die Band zum Abschluss spielte. Mit Zeilen wie: „Du baust mich wieder auf. Deine Liebe geht über all das hinaus und vor dir darf ich so sein wie ich bin, denn du nennst mich dein Königskind!” bildet der Song die perfekte Hymne für den Jugendkirchentag.

Gemeinsam Kirche sein
Moderator Markus Oster stimmte die Menge auf die kommenden Tage ein. Er fragte die Teilnehmer, wo sie herkommen. Die Offenbacher, beim vergangen Jugendkirchentag noch Gastgeber, jubelten. Ebenso wie die aktuellen Gastgeber aus Weilburg. Auch den weitesten Anfahrtsweg suchte Oster. Hier meldeten sich begeisterte Odenwälder.

Großer Andrang beim Eröffnungsgottesdienst

Keine Auftaktveranstaltung kommt ohne Ansprachen aus. Präsentiert von Markus Oster, den Teilnehmer im Laufe des Jugendkirchentages noch häufiger als Moderator erleben werden, betraten im Anschluss der Weilburger Bürgermeister Dr. Johannes Hanisch, Landesjugendpfarrer Gernot Bach-Leucht und Dekan Ulrich Reichard die Bühne. Voller Stolz erklärte Bürgermeister Hanisch, die Stadt habe alles aufgefahren, was an Highlights möglich sei. Dekan Reichard betonte, „Ich fühl‘ mich supergeil!“. Bach-Leucht wies daraufhin, es sei „ganz wichtig, dass Menschen sich begegnen, zusammen feiern und gemeinsam Kirche sind.“

Der Jugendkirchentag – kein exklusives Erlebnis

Man merkte die Spannung im Raum als Kirchenpräsident Dr. Volker Jung mit Stellvertreterin Ulrike Scherf die Bühne betrat. Viele merkten es geht auf die Eröffnung zu. „Das ist einfach überwältigend. Das macht uns echt glücklich“, erklärte Scherf und dankte der Stadt, den vielen Helfern und den Organisatoren. Jung ging auf eine Herzensangelegenheit ein: Der Inklusionsgedanke werde beim Jugendkirchentag besonders hochgehalten, denn „der Jugendkirchentag bedeutet Gemeinschaft miteinander.“ Das zeigte sich auch direkt im Eröffnungsgottesdienst, an dessen Gestaltung auch die „Vincenzleut“ vom Rüdesheimer Vincenzstift beteiligt waren. Der Einrichtung für Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung soll auch die Kollekte der Messe zugutekommen.

Mit einem Clip wurde der Countdown zur offiziellen Eröffnung gestartet – gemeinsam zählten alle Besucher die letzten Zahlen runter. Bei null zündeten überall im Publikum Konfettikanonen. So Manchem gelang das nicht auf Anhieb, sodass es immer wieder ein paar Nachzügler gab. Aber das passte ideal zum Motto „Weil ich Mensch bin“, denn nur eine Maschine hätte alle Kanonen gleichzeitig starten können.
Den musikalische Rahmen übernahm die Projektband „tongestalten“, die neben bekannten Kirchenliedern auch Musik aus den Charts präsentierten, darunter „human“ von Rag’n’Bone Man oder „Ganz anders“ von Udo Lindenberg.

Die Projekt-Band „tongestalten”

Um seiner selbst geliebt werden
Untermalt wurde der Gottesdienst von unterschiedlichen Szenen, die Schauspieler auf der Bühne zeigten. Besonders einprägsam war dabei die Szene mit der Botschaft „Ich habe gelernt, mir selbst treu zu sein, und dass es wichtig ist, sich nicht anderen zuliebe zu verstellen!“. Darauf anknüpfend begann eine Art Laolawelle, bei der die Teilnehmer ihrem Vordermann sagen sollten, „Ich mag dich, weil du du bist“.

Das Glaubensbekenntnis aus der „Volxbibel”. Gelebter Glaube in Jugendsprache

Insgesamt bildete der Mutmachgottesdienst einen gelungenen Auftakt für den Jugendkirchentag. Bereits nach kurzer Zeit waren die Plätze im Zelt besetzt. Auch vor dem Zelt sammelten sich noch Teilnehmer, die durch die geöffneten Zeltwände am Gottesdienst teilnahmen. Der Gottesdienst weckte auf jeden Fall die Neugierde auf die kommenden Tage, auf das gemeinsame Beten und Musizieren.