2014-06-20 Poetry Slam: „Göthe“ war gestern, Slammen ist heute

Jugendkirchentag – „Göthe“ war gestern, Slammen ist heute

Der Wortpoet und Klangdichter Lars Ruppel fasziniert mit Lyrik

 

Darmstadt, 20. Juni 2014. Schüchtern betreten sie das Dichterzelt: Lara, Mara, Meike und Ilga aus Gießen. Die vier Freundinnen interessieren sich für das Angebot „Weck-Worte“ auf dem Jugendkirchentag. Im Zelt begrüßt sie der Neu-Berliner Lars Ruppel, der in Darmstadt als Moderator der Slam-Poetry-Lesungen in der Centralstation bekannt ist. Der junge und schlaksige Mann zieht die Mädels sofort in seinem Bann mit seiner natürlichen Ausstrahlung und seiner Wortakrobatik. „Fuck ju Göthe“ muss es nicht unbedingt sein, aber der Slammer weiß aus eigener Erfahrung, das Gedichte so viel spannender interpretiert und vorgetragen werden können, als im Schulunterricht. Doch das Rezitieren von Gedichten ist das Eine, das Andere ist es selbst Gedichte zu verfassen und hörbar vorzutragen. Und das stellt Lars Ruppel sofort unter Beweis. Laut rezitiert er eines seiner ersten Gedichte, die er im zarten Alter von acht Jahren verfasst hat. Dann geht es weiter zu reiferen Wortspielen über sprichwörtlich bekannte Gestalten wie „Heidewitzka“ und den „Hempels“, unter dessen Sofa es angeblich sehr unordentlich zugehen soll. Das Slammen hat der gebürtige Marburger mit 16 Jahren für sich entdeckt. Der Sprachwitz ist die eine Vorliebe des Autors Ruppel, die andere ist sein Engagement in Altenheimen, wo er älteren Menschen, die an Demenz erkrankt sind, Gedichte von Goethe oder Schiller vorträgt. „Wichtig ist es die Menschen nach ihren Bedürfnissen anzusprechen, und viele Demenzkranke kennen noch die alten Verse“, so der Lyriker. Bei Ruppel heißt das vor allem: die Menschen ansprechen und berühren – mit seinen Versen und mit den Händen. Zuwendung geben, das merkt man, ist dem jungen Mann wichtig. Die vier Konfirmandinnen sind begeistert von Ruppels Performance. Er animiert zwischendrin die Mädels mitzumachen, gibt einen Rhythmus vor, auf denen sich vorgesagte Verse gut reimen lassen. Wie im Flug vergeht fast eine Stunde im „Club der lebendigen Dichter“. Ruppel ist angetan von seinen jungen Zuhörerinnen, von denen einige schließlich bekennen, auch selber zu schreiben. Ruppel aber ist der lebende Beweis, dass Gedichte auch heute noch einen ansprechen können, wenn man sie „nur mit Leidenschaft und Begeisterung vorträgt.“

 

Text: Reinhard Völker

 

Geschrieben am 20.06.2014, 18:54 Uhr