2014-06-21 Reportage:Ich bin schön, wenn ich mich wohlfühle

 

Ich bin schön, wenn ich mich wohlfühle
Ein Spaziergang entlang der Themenparks „Ich und Ich“, „Ich und Gott“, „Ich und Andere“ sowie „Ich und Welt“ des  Jugendkirchentags 2014 in Darmstadt

 

von Heidi Förster
Darmstadt, 21. Juni 2014. „Das wichtigste ist, dass man mit vielen Leuten viel Spaß hat. Es kommt darauf an, welche Leute dabei sind“, sagt Maximilian Stein, 18, aus Taunusstein. Das Interview führe ich auch gleich im Bällchenbad, herrlich, da möchte man bleiben, so wie die Gruppe aus Taunusstein. Und was hat dieses Bällchenbad jetzt mit dem Thema „Ich und Andere“ zu tun? Es gibt Bälle mit Fragen darauf. Miteinander chillen und dabei ins Gespräch kommen, das täte uns Erwachsenen auch öfter mal gut. „Was ist deine Lieblingsmusik?“ steht auf einem Ball geschrieben. „Radio Active von Imagine Dragons oder Waves von Mr. Trobz“, kommt auch gleich die Antwort. Angesagt sei aber bei den 17- und 18-jährigen das Oberthema „Ich und Ich“. „Warum?“ will ich wissen: „Weil man immer auf der Suche nach etwas ist. Die meisten machen Abi und wissen nicht, wie es weiter geht“, meint Tim Kaulfuß, 17. Am nächsten Stand gibt es auch gleich einen Vorschlag für die Zeit nach dem Abi. Ein Freiwilliges Soziales Jahr könnte man machen. Elisabeth Bühl-Menzel von der Diakonie Hessen verpackt die Jugendlichen erstmal in einen Altersanzug der Erschwernisse simuliert, „um nachzuempfinden, wie die Bewegung eingeschränkt und wie man geschwächt wird“. Danach, so die engagierte Werberin für das Freiwillige Soziale Jahr, seien doch alle erleichtert, wieder jung zu sein. Alexandra Mackert, 15, aus Egelsbach steckt gerade in dem unhandlichen Anzug und lässt sich erst fotografieren, nachdem ihr  geglättetes, langes Haar gerichtet ist. Jung und schön zu sein ist eben wichtig. Das dachte sich auch die Gemeindepädagogin Ingrid Seiler von der Arbeitsgruppe des Evangelischen Dekanats Wiesbaden „Geschlechtsspezifische Jugendarbeit“. In ihrem Zelt hat sie eine Ausstellung unter dem Thema „Wunderschön“ aufgebaut.  „Bathseba am Brunnen“  ist dort zu sehen, barock, rundlich und nackt, von Peter Paul Rubens im 17. Jahrhundert gemalt. Auch eine gesichtslose Schönheit aus der Steinzeit, 25.000 Jahre vor Christus aus Stein modelliert, ist auf einem Foto ausgestellt, die Venus von Willendorf. Ihre ausladenden Brüste und Hüften sowie ihre Fettreserven sollten die Aufzucht der nächsten Generation garantieren. „Ich bin schön, wenn ich mich wohlfühle“ steht auf einem Plakat. Im Nachbarzelt werden fleißig Herzchen aus Holz gebastelt und bemalt. „Wem wollt ihr die denn schenken?“ möchte ich wissen. „Meinem Bruder“, „meiner besten Freundin“ erhalte ich zur Antwort. „Ist auch eines für eure Mutter gedacht?“, lege ich vorsichtig nach und bekomme ein kollektives Kopfschütteln zur Antwort. Na gut. Wir Mütter können uns die Welt auch frohen Herzens selber schön reden. „Ich bin schön, wenn ich mich wohlfühle“, diese Botschaft trifft die Stimmung in allen Themenparks. Die Jugendlichen, die zumeist in Gruppen zum Jugendkirchentag nach Darmstadt angereist sind, haben einen Parcours zu bestreiten, um alles einmal spielerisch kennenzulernen. Im Themenpark „Ich und ich“ landen sie zum Beispiel bei der ehrenamtlichen Helferin Daniela Fiala aus Wiesbaden-Bierstadt. In der Mitte auf Stelzen steht gerade eine Jugendliche sichtlich unsicher, die sich, gezogen an vielen Seilen, fortbewegen wird. In zwei Minuten geht es um Geschick und Teamarbeit, an allen Seilen wird gezogen, damit sie nicht umkippt. „Ich finde, es ist eine Herausforderung, in der Mitte zu stehen und darauf angewiesen zu sein, dass man festgehalten wird. Das braucht Vertrauen in die Gruppe“, so die 29-Jährige. Meistens klappe das hervorragend. Auch ein Zirkusworkshop wird nebenan angeboten und unter dem Motto „007 DA“ müssen die Gruppen nach gelungener Rallye noch eine Bombe entschärfen.
„Ich und Gott“ heißt der Themenpark, in dem es deutlich ruhiger zugeht. In einem Bus treffe ich 13-Jährige aus Niederwaldbach im Lahn-Dill-Kreis, die heftig dabei sind, ihrer Kritik Ausdruck zu verleihen. „Es gibt so viele Sachen, die nicht für uns geeignet sind“, meint Joel Feller. Sascha Brüning pflichtet ihm bei und kritisiert „dass die Stationen nicht alle nah beieinander sind“. Felix Kessler lobt dann aber doch noch den Menschen-Fußballkicker im Themenpark „Ich und Welt“. Dort treffe ich später auf Aktive der „International Justice Mission Deutschland e.V.“ mit einer Band, die auf der Zeltbühne gerade für ihren Auftritt proben. Doch erst einmal will ich noch weitere Stationen auf dem Gelände von „Ich und Gott“ kennenlernen. Im Zelt  probt gerade eine Theatergruppe aus dem Dekanat Kronberg für den Gottesdienst um 16.00 Uhr zum Thema „Auftanken“.  Auftanken geht auch in der Stille. Zum Beispiel in der „Pray Station“, wo mich die sympathische Christine Becker aus Zwingenberg in einen Zeltinnenraum führt, in dem viele Zettel an einer Schnur hängen. „Dank“ steht am Eingang. Und wer einen Dank aufgeschrieben und per Klammer an der Leine festgesteckt hat, darf sich zur Belohnung eine prickelnde Brause abnehmen. „Ich danke, dass ich leben darf und für die glücklichen Momente, die ich erleben kann“ steht auf einem der Zettel. Die 18-Jährige erzählt, dass dieses Angebot bei der Jugendgebetsnacht in Zwingenberg bereits super angenommen worden sei.
Alles in allem sind die  Themenparks fußläufig zwischen Mercksplatz im Süden, zwischen Abendgymnasium und Jugendstilbad gelegen, und dem Karolinenplatz in der Stadtmitte, zwischen Schloss und Herrengarten, zu erreichen. In der Stadtmitte im großen ineinander übergehenden Themenpark „Ich und Andere“ sowie  „Ich und Welt“ geht es am lebhaftesten zu. Sogar eine Tauchstation ist dort aufgebaut, eine Kletterwand, der Menschen-Fußballkicker und – das Bällchenbad. Das empfehle ich jeder und jedem, und vor allem denen, die vielleicht allein unterwegs sind. Man kommt sofort ins Gespräch und es ist herrlich entspannend. Im Bällchenbad fühlt man sich wohl und wird garantiert wunderschön. Und das hat auch der Philosoph Christian Morgenstern schon gewusst. „Was man mit Liebe betrachtet, ist schön.“

 

 


Geschrieben am 21.06.2014, 15:43 Uhr