2014-06-21_„Swopping“ und „Upcycling“ im Kommen

„Swopping“ und „Upcycling“ im Kommen

 

Kleidertauschbörse auf dem Jugendkirchentag als Beitrag zur Nachhaltigkeit

 

Marlene ist richtig happy: „Das ist cool, so was habe ich noch nie gesehen“, sagt die Vierzehnjährige und trägt ihre gerade erstandenen Kleidungsstücke wie Schätze aus dem Zelt. Jetzt geht’s erst mal zum Anprobieren. Die Teilnehmerin des Jugendkirchentags hat wie viele andere Anziehsachen von zu Hause mitgebracht und für die „Swopping-Party“ abgegeben. So viele Stücke, wie sie weggab, durfte sie sich von den Kleiderständern auch aussuchen. Das Second-Hand-Prinzip nutzten ausschließlich weibliche Jugendliche im Themenpark „Ich und andere“. Am Freitag und Samstag war zunächst Gelegenheit, Mitgebrachtes abzugeben. Am Samstagmittag wurde dann die „Swopping-Party“ (engl. to swop = tauschen) eröffnet.

Bei wohliger Musik stöberten Mädchen in Grüppchen in aller Ruhe im großen Zelt an vollen Kleiderständern und probierten in der Umkleidekabine im Kreativzelt gegenüber an. Kerstin Vollmerhausen, kommissarische Leiterin des Stadtjugendpfarramtes Frankfurt, half bei der Organisation der Tauschgeschäfte.

„Die Sachen sind so gut wie neu“, sagt Alisa (17) aus Nieder-Beerbach. Sie ist stolz auf ihre Fundstücke und hat kein Problem damit, Gebrauchtes zu tragen. „Ich wollte schon immer mal so was machen“, sagt Miriam (15) aus Lauterbach. Wenn sie nach Hause kommt, will sie selbst „eine Swopping-Party auf die Beine stellen“. Marleen aus Traisa beschäftigt sich schon länger mit dem Thema. Sie findet es unnötig, Kleidung wegzuwerfen. Vielmehr bemüht sie sich, vor allem, ihre Sachen „lange zu tragen und Kaputtes zu nähen“, aber auch übers Internet Gebrauchtes zu kaufen. Wenn sie etwas Neues kauft, sollte es „fair gehandelte Kleidung“ sein.

Im Kreativzelt ist die Achtzehnjährige mit vielen anderen Mädchen an Nähmaschinen mit „Upcycling“ beschäftigt. An ihre gerade erstandene Second-Hand-Lederjacke näht sie eine weiße Bordüre. Andere verschönern Blusen mit bunten Pailletten oder klippen sich Kamsnaps in T-Shirts. Eltje Reiners, Stadtjugendreferentin in Darmstadt, hat da einige Tricks und Kniffs auf Lager. Bei ihr kann man sich außerdem Schablonen  anfertigen lassen, mit deren Hilfe man Wörter und Texte auf Textilien drucken kann. Auch Stadtjugendpfarrer Gernot Bach-Leucht legt selbst Hand an. Gerade hat er noch aus goldfarbenem Stoff eine Umkleidekabine im Kreativzelt gezaubert, da setzt er sich auch schon selbst an die Nähmaschine. Bei ihm kann man Taschen und Etuis aus alten Planen und Bannern herstellen.

Aus Gebrauchtem Neues machen, ist Inhalt des Angebots der beiden Stadtjugendpfarrämter Frankfurt und Darmstadt. So schloss die Aktion mit einer Modenschau, bei der die Teilnehmerinnen ihre beim Swopping erstandenen und „upgecycelten“ Sachen auf dem roten Teppich präsentieren konnten.

Zuvor hatte eine Gruppe von Konfirmanden aus Seligenstadt an einer Diskussion zum Thema teilgenommen. Moderator Michael Wex aus Frankfurt fragte die Jugendlichen, ob sie sich vorstellen können, gebrauchte Kleidung zu tragen. Während Jan-Lukas (14) sich eher unwohl bei dem Gedanken fühlte, hatte Timo (14) damit kaum ein Problem. Er würde „alles außer Unterwäsche“ auch gebraucht tragen. Second Hand sei ja im Kommen, sagte Philis Hankel. Die auszubildende Theaterschneiderin aus Frankfurt findet Gebrauchtes viel individueller als „Massenware, die jeder trägt“. Außerdem sei an neuen Sachen „soviel Chemie drin, die beim Waschen nicht rausgeht“.

Ute Greifenstein Beauftragte für „Brot für die Welt“ im Zentrum Ökumene der EKHN warb für „ökologisch und sozial vertretbare Kleidung“. Dazu gehöre auch eine gerechte Entlohnung, die bei einem T-Shirt-Preis von 4,99 Euro nicht gewährleistet sein könne. „Da bleibt so gut wie nichts übrig“, so Ute Greifenstein, Näherinnen in Bangladesh erhielten davon etwa fünf Cent. Sie stellte Labels für ökologisch oder auch existenzsichernd hergestellte Textilien vor, auf die man achten sollte. Im Internet könne man sich über die Schwerpunkte der Labels informieren. „Organisiert Swopping-Partys“, empfahl Ute Greifenstein. Auch Second-Hand- oder fair gehandelte Ware sollte man kaufen und seine alten Sachen etwa bei der Diakonie, beim Roten Kreuz oder bei Oxfam abgeben.

In einer Ausstellung konnten sich die Teilnehmer über Gift in der Baumwollproduktion oder lange Transportwege der Kleidung informieren. Das Thema Nachhaltigkeit spielte beim siebten Jugendkirchentag eine zentrale Rolle.

 

Laufend aktuelle Informationen zum Jugendkirchentag sowie Fotos gibt es unter www.good-days.de. Das Pressezentrum des Jugendkirchentags ist in der Jugendherberge am Woog, Landgraf-Georg-Straße 119, eingerichtet.

Ansprechpartnerin ist Laura Gleichmann, E-Mail: gleichmann@good-days.de, Tel.: 0176-10103561.

Geschrieben am 21.06.2014, 23:44 Uhr