AFRIKA AUF NEUN QUADRATMETER

Toleranz und Glaube, der alle verbindet: das Global Youth Village auf dem Jugendkirchentag in Michelstadt

Michelstadt, 9. Juni 2012. Es ist ein ausgesprochen gastfreundliches Dorf, das der Besucher hier betritt: das Global Youth Village (GYV) 2012. Im Stadthaus von Michelstadt, der Gastgeberstadt für den sechsten Jugendkirchentag der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), gestalten die 65 überwiegend jungen Menschen aus vier Kontinenten hier ein einziges Dorf in dem Saal, in dem sonst die Kleinstadt im Herzen des Odenwaldes verwaltet wird. Mitten im Raum liegt eine mannshohe, aufblasbare Weltkugel, links davon ist afrikanisches Trommeln zu hören, auf der anderen Seite indischer Tanz zu bestaunen. Auf schätzungsweise neun Quadratmetern hat links in der Ecke Afrika seinen Platz gefunden, repräsentiert von drei Ländern: Südafrika, Ghana und Tansania. Zingisile aus Kapstadt (Südafrika) begrüßt dort den Besucher und stellt in Worten und Bildern sein Heimatland vor, zeigt Kleidung, typisches Essen, spricht über Politik und natürlich den Glauben, der alle verbindet, spart aber auch die Probleme des Landes nicht aus: Armut und Gewalt, Kinderprostitution und Aids, um nur einige Beispiele zu nennen.

Nebenan, ganz ohne Grenze und Visum erreichbar, befinden sich Tansania und Ghana, wenige Meter weiter sind die USA und Europa lokalisiert. Gegenüber, auf der anderen Seite der Weltkugel wird vor der asiatischen Seite des Saales immer noch getanzt.

 

„Junge Menschen aus den neun Partnerkirchen der EKHN sind für das Global Youth Village auf dem Jugendkirchentag unsere Gäste“, erklärt Pfarrer Dr. Johny Thonipara, als Leiter des GYV-Projekts sozusagen der Bürgermeister des Globalen Jugenddorfes; sie kommen aus Afrika, Amerika, Asien und Europa. Thonipara, der in Frankfurt beim Zentrum Ökumene der EKHN als Beauftragter für Entwicklung und Partnerschaft Asien arbeitet, hat die Begegnung zusammen mit vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus dem Zentrum Ökumene und aus den verschiedenen Regionen der Landeskirche organisiert.

Es gab bereits zwei Global Youth Villages, 2001 auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Frankfurt und 2006 beim Jugendkirchentag in Friedberg und Bad Nauheim. Verbindend ist immer das Stichwort „Toleranz“. „Das Teilen von Glauben und Leben ist für mich das Ziel dieser Begegnung“, sagt Thonipara. Das heiße teilzuhaben an der Freude, aber auch am Leiden der Partner. So sei etwa einmal bei einer Morgenandacht die Teilung Koreas sehr emotional zur Sprache gekommen. „Singen, Tanzen und Musik, vor allem aber unser gemeinsamer Glaube sind die tragenden Säulen“, sagt der Pfarrer.

 

Schon einige Tage vor Beginn des Jugendkirchentages trafen sich die Jugendlichen aus den Partnerkirchen und ihre deutschen Gastgeber aus unterschiedlichen Regionen der EKHN, um gemeinsam die Zeit in Michelstadt vorzubereiten. Neben den bereits erwähnten Workshops zum Tanzen gab es auch Kreativangebote wie Henna-Malen oder T-Shirts bedrucken, darüber hinaus Informationen zu Themen wie Klimawandel, Umwelt und Energie, friedliches Zusammenleben, Wirtschaft und Spiritualität. Wozu man imstande ist, wenn man einander vertraut oder aber sich aufeinander einstellt und verlassen kann, das konnten die jungen Menschen auch bei Interaktionsspielen hautnah erleben. Und ein „Eine-Welt-Café“ bot internationale Spezialitäten für den Gaumen.

 

Für diejenigen, die beim Jugendkirchentag keine Gelegenheit fanden, das GYV im Stadthaus zu besuchen, kamen die Dorfbewohner an einem Abend nach draußen: Im Kellereihof inmitten der Michelstädter Altstadt brachten sie einen „Abend der Kulturen“ auf die Bühne. Bei Musik und Tanz gab es kaum jemandem im Publikum, der ruhig stehenbleiben konnte.

 

Auch der Michelstädter Bürgermeister Stephan Kelbert war so angetan von der Atmosphäre im Jugenddorf, dass er seine Bewohner spontan zu einem Empfang einlud. „Touristen, auch von weither, sind wir gewohnt hier in unserer Stadt. Aber eine so internationale Gruppe ist doch etwas ganz Besonderes“, freute sich Kelbert, der zusammen mit der Stadtverwaltung den Jugendkirchentag auch lange im Vorfeld schon unterstützt hatte, wo er nur konnte.

 

  • Geschrieben am: 9.06.2012, 17:20 Uhr

Geschrieben am 28.10.2013, 15:19 Uhr