VIELE WELTEN IN EINER STADT

Ein Rundgang durch die Themenparks des Jugendkirchentages

Michelstadt. 8.6.2012. „Helm und Handschuhe sind Pflicht.“ An alles ist gedacht, auf vieles ist die Rennleitung vorbereitet; allein ein Zielfoto ist technisch nicht möglich, und doch wäre gerade das nötig gewesen, um exakt zu ermitteln, welcher Bobbycar-Reifen nun als erster über die Linie kam. Egal, nach drei Durchgängen steht fest, dass „Waldenser II“ aus dem südhessischen Rohrbach das Gewinnerteam dieser Runde ist. Das Bobbycarrennen ist eine der Stationen bei der Konfirallye durch alle fünf Themenparks des Jugendkirchentages, der gestern in Michelstadt eröffnet wurde und noch bis Sonntag dauert. Angesiedelt ist das Formel-B-Rennen im Themenpark Glaube & Spiritualität neben der katholischen Kirche; im Gotteshaus selbst hat die Offensive Junger Christen einen besonderen Pilgerweg eingerichtet. Etwas unterhalb kann man beim CVJM nicht nur Hockey spielen, sondern aus Hunderten von Klötzen gemeinsam mit anderen seine Wunschkirche bauen. Im Stadthaus gleich nebenan hat das Global Youth Village seinen Platz gefunden. In dem Saal, in dem sonst gleichsam die Stadt Michelstadt verwaltet wird, haben nun Menschen aus vier Kontinenten ein Dorf eingerichtet, in dem alle einen gemeinsamen, verbindenden Glauben teilen. „Toleranz“ lautet das Grundgesetz, und wer das Dorf besucht – empfangen von Trommelrhythmen und Bollywood-Dance  –  spürt, wie reich und farbenfroh das Leben hier ist.

Draußen vor dem Stadthaus in der weiträumigen, idyllischen Parkanlage wartet dann wieder eine ganz andere Welt: Natur & Umwelt heißt dieser Themenpark. Man muss schon den Kopf in den Nacken legen, um die Kletterer knapp unterhalb der Baumwipfel zu entdecken. „Stairway to Heaven“ hat die Evangelische Jugend Schotten ihren Klettergarten genannt, der mit Hochseil, überdimensionierter Strickleiter, Himmelsleiter und verschiedenem anderem mehr ausgestattet ist. Auf der Himmelsleiter etwa, auf dem Weg in die Höhe, sind immer zwei aneinander gebunden. „Nur gemeinsam wird man’s auch nach oben schaffen“, erklärt Teamer Flo. Ein schönes Bild: Alleine geht es nicht, zwei geben einander gegenseitig Halt. Und auch der Kletterstamm, der nach gut zehn Metern endet, stellt eine nicht ganz einfach zu beantwortende Frage: Wie geht es weiter, wenn man ganz oben ist? Ausprobieren ist angesagt für die jungen Kirchentagsbesucher.

Szenenwechsel, Themenpark Gegenwart & Zukunft. „Auch wenn der Blick voraus manchmal Angst macht, das ist keine Perspektive“, betont Britta Hammann, die Vorsitzende der Evangelischen Jugend Mainz. Viel wichtiger seien die kleinen Schritte, die die Welt ein bisschen besser machen: Die individuell selbstgestaltete Leinentasche statt der Plastiktüte; die „Give-Box“, in die man das abgelegte Hemd hängt, über das sich ein anderer freut; oder aber 24 Tipps, was jeder tun kann, von Akku bis vegetarisches Wochenende. Aber freilich, Spaß muss auch hier mal sein. Das Bällchenbad draußen vor der Halle lädt ein zum kurzzeitigen Abtauchen; was sonst Kleinkindern im Belustigungsbereich von Möbelhäusern vorbehalten ist, lockt hier auch die Älteren.

„Freundschaft ist:“ Das definieren die einen im Themenpark Liebe & Freundschaft auf einer Tafel ganz kurz und bündig: „schön“ oder auch „geil“. Andere bringen es auf einen nicht gar so kernigen Nenner, notieren dafür aber Gedanken, die zum Nachdenken anregen: „Bauchschmerzen vor Lachen zu haben“, steht da etwa; oder „Alles zu wissen, aber sich trotzdem zu mögen“; oder „füreinander da zu sein, auch ohne sich zu sehen“. Einige Meter weiter entsteht der extralange „Liebesbrief von Gott“, der bekannte Text aus 1.Korinther 13, der auf eine lange Schriftrolle geschrieben wird: Jeder bringt immer nur ein Wort zu Papier. Am Vormittag hat die Aktion begonnen, um 15.30 sind bereits fünf Meter abgerollt, der Text nähert sich dem Schlusspunkt. Wer mag, kann sich noch einen Segenswunsch aus der Glaskugel mitnehmen. Das hat was von Lottoziehung, aber hier ist jede Kugel ein Gewinn – und anders als das Ungewisse der Zukunft, das manche aus Glaskugeln lesen zu können behaupten, gilt dieser Segenswunsch gewiss.

Onlinewelt & Offlinewelt, so der Name des fünften Themenparks: Irgendwo zwischen diesen beiden ist die Lebenswelt der Jugendlichen von heute verortet. Wer dank Smartphone und Facebook ständig online ist und mit der Freundin in Australien kommuniziert, mag sich hier unten im Michelstädter Schenkenkeller zur Abwechslung mal mit ein paar anderen an einem Tisch zusammensetzen, sich eins der Karten- oder Brettspiele vornehmen und eine Runde „Uno“ oder „Siedler“ beginnen oder ein Spiel, das so antiquiert wirkt wie seine Botschaft zeitlos ist, auch in der Onlinewelt: „Mensch ärgere Dich nicht“.

 

  • Geschrieben am: 8.06.2012, 08:55 Uhr

Geschrieben am 28.10.2013, 15:16 Uhr