Gregor auf dem Jugendkirchentag – Reportage vom Snapchat-Star

Die Abendsonne über Weilburg verschwindet langsam hinter dem Turm der Schlosskirche. Eine Taube fliegt vor bei. Es ist still. Nur eine leichte Brise kitzelt meine Nase. Mein Kopf ist nun, da ich vom Aerotrimm durchschleudert wurde, frei für das Schreiben, so dass ich dir von meinen Erlebnissen berichten kann. Ich schließe meine Augen und lasse den Tag vorüberziehen…

 

Es ist Freitag, der 1. Juni. Ich bin im Epizentrum der Jugendbespaßung und sehe mich einer brachialen Vielfalt an Attraktionen ausgesetzt mit nur einem Ziel: Sie zu testen.

Mein Weg führt mich zunächst zur Hüpfburg auf dem Festplatz. Als ich dort ankomme, starre ich ungläubig auf die Parcourstrecke, die sich vor mir erstreckt und ich begreife: Das hat nichts mit chilligem Hüpfen zu tun. Das ist eine knallharte Challenge. Instagram-Reporterin Jule huscht ein Lächeln über die Lippen, als sie mich zum Wettkampf auffordert. Ich willige selbstsicher ein und zweifle kein bisschen an meinen Fähigkeiten als Hürdenläufer – aber Hochmut kommt vor dem Fall. Wir treten auf das Startpodest und sehen die Säulen, Tunnel und Berge aus aufgeblasenen Kunststoff. Nun heißt es Team Instagram (Jule) gegen Team Snapchat (Gregor).

 

Gebannt warten wir auf das „Los!“ und als es erschallt, stürze ich mich mit dem Kopf nach vorne durch’s Loch. Meine Judo-Roll-Taktik ist gut, aber Jule überwindet die Hindernisse wie eine Gazelle. Ich schaue nach rechts und kann mir einen kleinen Vorsprung verschaffen, krabbele unter einem Querbalken hindurch und laufe auf das letzte Hindernis zu. Der Berg hat nur wenige Vorsprünge, an denen ich mich festhalten kann. Ich springe, finde keinen Halt und rutsche ab. Ich sehe nur noch wie Jules Bein an mir an mir vorbeizieht. Im zweiten Anlauf schaffe auch ich die Hürde, rutsche dahinter ins Ziel, aber zu spät: Team Instagram siegt.

Der Regen begoss ihren Triumph und hinterließ optimale Straßenverhältnisse für das Bobbycar-Rennen.

Sportlich widme ich mich der nächsten Herausforderung. Schließlich ist mein Gewinn der Spaß und nicht zuletzt die Möglichkeit dir davon zu erzählen.

 

Ich laufe den steilen Hang des Mühlbergs hinauf. Neben mir liegen Autoreifen und begrenzen die kurvige Piste. Oben angekommen, setze ich mich auf ein getuntes Bobbycar und überprüfe fachmännisch das Gefährt. Sobald meine Sicherheit gewährleistet ist, fahre ich auf die Startrampe. Die Stimmung ist aufgeheizt, die Meute wartet gespannt auf den Startschuss. Das Signal kommt, die Rampe gibt nach und ich schieße die Straße hinab. Rasend schnell prescht die furchteinflößende Kinder-Karre gen Tal. Ich schlittere durch die Kurven, und komme mit einem langen Drift zum Stillstand. Selbstzufrieden nicke ich dem Publikum zu.

 

 

Energiegeladen begebe ich mich zum Schlosspark. Sumo-Wrestling dient meinem Kumpel Patrick und mir nun als Ventil für unsere überquellende Kraft der Jugend. Patrick und ich steigen in die überdimensionierten Anzüge. Der dicke Schaumstoff macht uns schwerfällig und wir sehen aus, wie 150 Kilogramm-Kolosse. Hinter der Linie aufgestellt, in streng japanischer Sumo-Manier, sorgen die Zuschauer für eine elektrisierende Atmosphäre. Alle Blicke sind auf uns gerichtet. 3,2,1: Der Kampf beginnt. Mit Anlauf rennen wir los, springen in die Luft und prallen mit voller Wucht aufeinander. Beim Aufprall kann ich mein Gleichgewicht etwas besser halten: Patrick geht zu Boden. Und ich kurz nach ihm.

 

Wir lassen uns vom Publikum für unsere Darbietung feiern und ziehen glorreich in den Renaissancehof ein. Ich begebe mich zum Aerotrimm. Eine Stahlkonstruktion aus drei Ringen. Ich lasse mich einspannen und werde mitsamt der Konstruktion um mich herum gedreht.  Es ist verdammt schnell, unten ist oben … ab hier verschwimmen meine Erinnerungen.

Plötzlich schlage ich die Augen auf. Mein leicht erhöhter Puls wird von der in Abendrot getünchten Schlosskirche beruhigt. Ich ertappe mich, wie ich seufze und denke: „Die Tage, die am meisten Spaß machen, vergehen immer am schnellsten. So auch der Jugendkirchentag. Danke…“

Text: Gregor Meinecke